US-Zwischenwahlen 2026: Wer holt die Mehrheit im Senat?

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von Kai-Uwe Hülss

Bei den am 3. November 2026 stattfindenden Zwischenwahlen wird neben dem gesamten U.S. Repräsentantenhaus auch ein Drittel der Sitze im U.S. Senat neu gewählt. Zu diesen 33 Wahlen zum U.S. Senat gesellen sich zwei Nachwahlen, da JD Vance und Marco Rubio ihre Mandate für Ohio beziehungsweise Florida abgaben, um in der zweiten Administration von Präsident Donald Trump als Vizepräsident respektive als Außenminister zu dienen. Bei beiden Nachwahlen wird sich der Gewinner in zwei Jahren erneut zur Wahl stellen müssen, da die reguläre Amtszeit im Jahr 2022 begonnen hat und dementsprechend im Jahr 2028 beendet wird.

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In der aktuellen 119. Legislaturperiode stellen Republikaner 53 U.S. Senatoren. Demokraten kommen mit den zwei mit ihnen stimmenden unabhängigen Parlamentariern auf 47 U.S. Senatoren. Bei den in diesem Jahr anstehenden 35 Wahlen zum U.S. Senat müssen Republikaner 22 ihrer Sitze verteidigen. Von den neun als umkämpft geltenden Bundesstaaten haben Republikaner gegenwärtig sieben Sitze inne. Für einen Wechsel der Mehrheitsverhältnisse im U.S. Senat müssten Demokraten alle ihre bisherigen Sitze verteidigen und vier bislang von Republikanern gehaltene Sitze hinzugewinnen. Ein Patt würde für Demokraten nicht ausreichen, könnte dieses doch der republikanische Vizepräsident Vance zugunsten seiner Partei auflösen.

Nachfolgend wird über die offenen Senatswahlkämpfe informiert, die über die Mehrheitsverhältnisse in dieser Kongresskammer für die nächsten beiden Jahre entscheiden:

Alaska: Senator Dan Sullivan (R) vs. Mary Peltola (D)

Der Bundesstaat Alaska gilt als eher konservativ. Doch das Rangfolgewahlrecht, bei dem die Wähler die Kandidaten nach ihrer Präferenz ordnen, verschafft moderaten und überparteilichen Kandidaten oftmals Vorteile. Der amtierende republikanische U.S. Senator Dan Sullivan hat bei der Wahl vor diesem Hintergrund damit zu kämpfen, dass mit dem parteilosen Daniel J. Sullivan ein Namensvetter auf dem Wahlzettel stehen wird, was zu Verwirrung bei den Wählern führen könnte. Als stärkste Konkurrentin gilt jedoch die Demokratin Mary Peltola, die sich stark auf Fischereirechte, die wirtschaftliche Unterstützung ländlicher Gemeinschaften, den Erhalt von Bundesfördermitteln und eine überparteiliche, auf Alaska fokussierte Sachpolitik konzentriert. Sullivan hat hingegen den Fokus seiner Wiederwahlkampagne auf die Förderung der heimischen Energie- und Rohstoffförderung und auf die nationale Sicherheit gelegt.

Ergebnis Präsidentschaftswahl 2024+13,1 Prozentpunkte Trump (R)
Ergebnis U.S. Senatswahl 2020+12,7 Prozentpunkte Sullivan (R)

Iowa: Ashley Hinson (R) vs. Josh Turek (D)

Die republikanische U.S. Senatorin Joni Ernst hat auf eine dritte Amtszeit verzichtet. Die Republikanische Partei hat daraufhin die ehemalige Fernsehjournalistin und gegenwärtige Abgeordnete des U.S. Repräsentantenhauses Ashley Hinson als Kandidatin für den U.S. Senat nominiert. Die 43-Jährige wird von allen relevanten Flügeln ihrer Partei unterstützt. Hinsons 47-jähriger demokratischer Abgeordnetenkollege Josh Turek versucht indes, den Senatssitz für seine Partei zu gewinnen. Turek machte sich einen Namen als dreimaliger Medaillengewinner bei den Paralympischen Spielen im Rollstuhlbasketball.

Ergebnis Präsidentschaftswahl 2024+13,2 Prozentpunkte Trump (R)
Ergebnis U.S. Senatswahl 2020+6,5 Prozentpunkte Ernst (R)

Kansas: Senator Roger Marshall (R) vs. Adam Hamilton (D)

Zuletzt entsandte Kansas im Jahr 1932 einen Demokraten in den U.S. Senat. Dennoch gilt der Wahlausgang in dem der Republikanischen Partei stark zugeneigten Bundesstaat als offen. Begründet liegt dies einerseits an den steigenden Lebenshaltungskosten. Andererseits steht die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum unter starkem finanziellen Druck – ein Themenfeld, dem sich der Demokrat Adam Hamilton verschrieben hat. Hamilton gilt als moderat und spricht als Pastor der Church of the Resurrection, einer der größten methodistischen Kirchengemeinden der USA, auch konservative Wählergruppen an. Zudem genießt der 62-Jährige durch seine bisherige Tätigkeit einen hohen Bekanntheitsgrad.

Ergebnis Präsidentschaftswahl 2024+16,2 Prozentpunkte Trump (R)
Ergebnis U.S. Senatswahl 2020+11,4 Prozentpunkte Marshall (R)

Amtsinhaber Roger Marshall muss indes mit ansehen, dass moderate Republikaner seinen demokratischen Herausforderer offen unterstützen. Als treuer Gefolgsmann von Präsident Trump wird U.S. Senator Marshall auch die wirtschaftliche Entwicklung angelastet, da er die Zollpolitik des MAGA-Republikaners sowie Kürzungen bei Sozial- und Gesundheitsprogrammen unterstützte.

Werbespot des Demokraten Adam Hamilton.

Maine: Senatorin Susan Collins (R) vs. Troy Jackson (D)

Ursprünglich wollte Susan Collins nur sechs Jahre lang ihren Bundesstaat im U.S. Senat vertreten. Nun kandidiert die Republikanerin bereits für eine sechste Amtszeit. Erstmals wurde die mittlerweile 73-Jährige in der Ära von Präsident Bill Clinton im Jahr 1996 in den U.S. Senat gewählt. Seitdem folgten vier weitere Wahlsiege – beachtenswert für eine Republikanerin in einem eher der Demokratischen Partei zugeneigten Bundesstaat. Ihr Erfolg liegt nicht zuletzt darin begründet, dass sich Collins immer ihre Unabhängigkeit gegenüber ihrer eigenen Partei bewahrt hat – wie insbesondere ihre Opposition gegen zahlreiche Vorhaben von Präsident Trump unterstreicht.

Ergebnis Präsidentschaftswahl 2024+6,9 Prozentpunkte Harris (D)
Ergebnis U.S. Senatswahl 2020+8,6 Prozentpunkte Collins (R)

Herausgefordert wird U.S. Senatorin Collins in diesem Jahr vom gelernten Holzfäller und ehemaligen Präsidenten des Senats von Maine, Troy Jackson. Der aus dem ländlichen, eher konservativ geprägten Norden Maines stammende Jackson verbindet eine heimatverbundene, populistische Arbeiter-Rhetorik mit einem Fokus auf die Gesundheitsversorgung, bezahlbaren Wohnraum und Arbeitnehmerrechte. Ob er es mit diesen Themen schafft, die amtierende U.S. Senatorin abzulösen?

Werbespot der Republikanerin Susan Collins.

Michigan: Abdul El-Sayed (D) vs. Mike Rogers (R)

Um die Mehrheit im U.S. Senat zu erringen, muss die Demokratische Partei wie eingangs beschrieben vier bislang von Republikanern gehaltene Sitze hinzugewinnen und alle ihre bisherigen Sitze verteidigen. Nachdem Amtsinhaber Gary Peters auf eine erneute Kandidatur verzichtete, nominierten Demokraten in Michigan den umstrittenen Abdul El-Sayed. Der 41-jährige Arzt gehört dem linken Flügel der Demokratischen Partei an und wird des Antizionismus verdächtigt. Während Progressive in El-Sayed eine authentische Stimme der Arbeiterschaft sehen, halten ihn moderate Demokraten als ideologisch zu extrem für ihren Bundesstaat. Repräsentative Umfragen sehen infolgedessen einen engen Wahlausgang voraus.

Ergebnis Präsidentschaftswahl 2024+1,4 Prozentpunkte Trump (R)
Ergebnis U.S. Senatswahl 2020+1,7 Prozentpunkte Peters (D)

Republikaner schicken indes mit Mike Rogers einen erfahrenen Politiker ins Rennen. Der 63-Jährige war jahrelang Abgeordneter des U.S. Repräsentantenhauses und amtierte als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses dieser Kongresskammer. Ebenso war Rogers bereits als FBI-Agent tätig. Republikaner setzen mit dem Profil ihres Kandidaten somit auf einen größtmöglichen Kontrast zum Demokraten El-Sayed.

Werbespot des Demokraten Abdul El-Sayed.

Minnesota: Peggy Flanagan (D) vs. Michele Tafoya (R)

Die Demokratin Tina Smith, die bisherige U.S. Senatorin für den Bundesstaat Minnesota, hat auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Im demokratischen Vorwahlkampf setzte sich daraufhin die amtierende Vizegouverneurin Peggy Flanagan durch. Die 47-Jährige vertritt den progressiven bis moderaten Flügel ihrer Partei in Minnesota. Herausgefordert wird sie von der früheren Sportjournalistin und TV-Moderatorin Michele Tafoya. Die 61-Jährige ist vielen US-Amerikanern durch ihre Auftritte bei „Sunday Night Football“ bekannt. Dennoch gilt Tafoya als Außenseiterin bei der Wahl, tendierte Minnesota doch zuletzt zur Demokratischen Partei.

Ergebnis Präsidentschaftswahl 2024+4,2 Prozentpunkte Harris (D)
Ergebnis U.S. Senatswahl 2020+5,2 Prozentpunkte Smith (D)

Texas: Ken Paxton (R) vs. James Talarico (D)

Seit dem Jahr 1988 hat kein Demokrat mehr eine U.S. Senatswahl in Texas für sich entscheiden können. Doch in diesem Jahr gestaltet sich das Rennen aus dreierlei Gründen überraschend offen. Erstens ist die Republikanische Partei im Lone Star State tief gespalten, seitdem Attorney General Ken Paxton in den innerparteilichen Vorwahlen U.S. Senator John Cornyn herausforderte und nur dank der Unterstützung von Präsident Trump gewann. Paxton gilt als Favorit sogenannter christlicher Nationalisten, obwohl er Ehebruch beging und Gegenstand jahrelanger schwerer Strafverfahren und politischer Ermittlungen war.

Ergebnis Präsidentschaftswahl 2024+13,7 Prozentpunkte Trump (R)
Ergebnis U.S. Senatswahl 2020+9,6 Prozentpunkte Cornyn (R)

Zweitens verändert sich durch den Zuzug von Arbeitskräften aus anderen Bundesstaaten, darunter insbesondere Personen mit lateinamerikanischen Wurzeln, die Wählerstruktur zugunsten der Demokratischen Partei. Drittens haben Demokraten mit dem 37-jährigen James Talarico einen jungen, moderaten und kommunikationsstarken Christen für den U.S. Senat nominiert, der nicht müde wird, christliche Nächstenliebe zu predigen.

Werbespot des Demokraten James Talarico.

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