Zwei Jahre nach den Präsidentschaftswahlen schreiten US-Amerikaner erneut an die Wahlurnen, um über eine neue Zusammensetzung des U.S. Repräsentantenhauses sowie über ein Drittel der Sitze im U.S. Senat zu entscheiden. Die Partei des Präsidenten sieht sich bei den Midterms traditionell in der Defensive, muss diese doch die Regierungsarbeit der vergangenen Jahre verteidigen. Aus der Opposition heraus ist es freilich leichter, einen Wahlkampf zu bestreiten.
Des Weiteren sind US-Amerikaner dazu gewillt, vom ausgeklügelten System der Checks and Balances Gebrauch zu machen und die regierende Partei bei Zwischenwahlen abzustrafen. Seit dem Zweiten Weltkrieg büßt die Partei des Präsidenten laut dem Pew Research Center bei Zwischenwahlen im Durchschnitt im U.S. Repräsentantenhaus 26 Sitze und im U.S. Senat drei Sitze ein. Einzig Demokraten unter Präsident Bill Clinton und Republikaner unter Präsident George W. Bush konnten 1998 beziehungsweise 2002 Sitze hinzugewinnen.
Steigende Energiepreise setzen Republikaner unter Druck
Gestalten sich Zwischenwahlen für die Partei des Präsidenten also ohnehin schon als herausfordernd, gesellen sich in diesem Jahr steigende Lebenshaltungskosten und Energiepreise hinzu. Kostete die Gallone (1 Gallone = 3,785 Liter) Benzin zu Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump noch $3, müssen US-Amerikaner hierfür mittlerweile $4,40 hinlegen. Ein Anstieg von 40 Prozent. Für die Gallone Diesel muss mittlerweile sogar 70 Prozent mehr bezahlt werden als noch im Januar 2025: Im Oktober 2026 kostete eine Gallone Diesel im Durchschnitt $6,20.
Kurz vor den Zwischenwahlen macht sich aufgrund dieser Entwicklung – da die steigenden Lebenshaltungskosten das wichtigste Thema für US-Amerikaner sind – bei Präsident Trump Panik breit. Infolgedessen vereinbarte der 47. US-Präsident mit seinem russischen Amtskollegen Vladimir Putin die Lieferung von russischem Diesel in die USA, um den Preisanstieg an den heimischen Zapfsäulen umzukehren. Ebenso versucht Präsident Trump von seinem eigenen Versagen abzulenken, indem er den ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien die Schuld für den Kostenanstieg des schwarzen Goldes gibt. Dabei sind die Energiepreise einzig wegen des militärischen Konflikts zwischen den USA und der Islamischen Republik Iran in die Höhe geschnellt (siehe untenstehende Grafik).
Neben der von Präsident Trump gemeinsam mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu begonnenen militärischen Auseinandersetzung mit der Islamischen Republik Iran gesellt sich ein vom MAGA-Republikaner begonnener Handelskonflikt mit eigentlich mit den USA verbündeten Ländern. Die Zollpolitik der Trump-Administration bescherte den US-Amerikanern deutlich steigende Preise, ist doch die Inflationsrate mit 3,4 % heute höher als noch bei Amtsantritt Trumps im Januar 2025. Im Mai 2026 stiegen aufgrund des Krieges mit der Islamischen Republik Iran die Verbraucherpreise sogar um 4,2 %.
Trump wird zur Belastung für die Republikanische Partei
Zu den steigenden Lebenshaltungskosten gesellt sich für die Kandidaten der Republikanischen Partei bei den am 3. November stattfindenden Zwischenwahlen das Problem, dass sich die ohnehin schon ausbaufähigen Zustimmungswerte für ihren Präsidenten seit dem Beginn des Konflikts mit der Islamischen Republik Iran im Sinkflug befinden. Im jüngsten Stimmungsbarometer stimmen nur noch 38,2 % der US-Amerikaner mit der Arbeit von Präsident Trump überein, 60,2 % lehnen seine Arbeit ab. Die Bevölkerung ist insbesondere mit der Wirtschaftspolitik unzufrieden. Dies war wohlgemerkt – neben der Beendigung der „nicht endend wollenden Kriege“ – der entscheidende Politikbereich, für den Trump im Jahr 2024 erneut zum Präsidenten gewählt wurde.
Präsident Bush wartete vor den Zwischenwahlen 2006 mit ähnlich schlechten Zustimmungswerten auf wie Trump heutzutage. Die Republikanische Partei verlor damals 30 Sitze im U.S. Repräsentantenhaus. Die Demokraten unter Barack Obama, mit dessen Arbeit im Jahr 2010 45 % der US-Amerikaner zufrieden waren, büßten sogar 63 Sitze ein. Hoffnung für Trumps Republikaner gibt ausgerechnet Joe Biden, dessen Demokraten vor vier Jahren nur neun Sitze im U.S. Repräsentantenhaus bei einer Zustimmung von 41 % für den Präsidenten verloren. Doch im Gegensatz zu Präsident Trump stellte dieser sich keineswegs so stark in den Mittelpunkt des Zwischenwahlkampfes.
In den Wochen vor dem Wahltag hält Präsident Trump vor allem zahlreiche Wahlkampfveranstaltungen in Bundesstaaten ab, die der Republikanischen Partei zugeneigt sind. Offenbar versucht der MAGA-Republikaner damit die eigene Basis zum Wählen zu bewegen, sieht diese den Midterms doch weitaus weniger enthusiastisch entgegen, als dies bei den Demokraten der Fall ist. Laut einer repräsentativen Umfrage von YouGov sehen 52 % der Demokraten dem Wahltag freudig entgegen. Bei den Republikanern hat sich nach zwei Jahren unter Präsident Trump indes Ernüchterung breitgemacht: Nur ein Drittel der Anhänger des 47. US-Präsidenten ist motiviert, ihre Stimme abzugeben. Die Enthusiasmus-Lücke zwischen Demokraten und Republikanern ist in diesem Jahr ungewöhnlich groß.
Konklusion
Es ist die Regel, dass die Partei des Präsidenten bei Zwischenwahlen an Zustimmung verliert. In diesem Jahr steht die regierende Republikanische Partei jedoch zusätzlich durch hausgemachte Probleme unter Druck. Zu den steigenden Lebenshaltungskosten und den steigenden Energiepreisen – verursacht durch die von Präsident Trump begonnenen Handelskonflikte und militärischen Auseinandersetzungen – im Spezifischen gesellt sich eine wachsende Unzufriedenheit mit den politischen Entscheidungen und dem Regierungsstil des MAGA-Republikaners im Allgemeinen.
Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
