New York City und Berlin: Metropolen der Linken

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von Kai-Uwe Hülss

Während in der „Berliner Luft“ die Unvollkommenheit der deutschen Hauptstadt besungen wird, handelt „New York, New York“ vom Traum des individuellen Aufstiegs im Big Apple. Seit jeher ist New York City der Sehnsuchtsort schlechthin von Migranten, die sich nach einem besseren Leben sehnen. Berlin wiederum ist seit der Wiedervereinigung, der Tag der Deutschen Einheit wird in diesem Jahr zum 36. Mal begangen, erneut zum Magneten für Kreative, Künstler, Journalisten und in der Politik tätige Personen aus ganz Deutschland, Europa und der Welt geworden.

Herausfordernde Wohnraumsituation in Metropolen

Die Folge: Mangelnder Wohnraum und steigende Mieten in beiden Metropolen. In New York City hat die Mietpreissituation im Jahr 2025 ein neues Rekordniveau erreicht. Der Mangel an Neubauten, hohe Zinsen für Immobilienkredite und eine Leerstandsquote von unter 2 % haben zu einem stadtweiten Anstieg der Mieten um 5 % bis 6 % im Vergleich zum Vorjahr geführt. In den Stadtteilen Brooklyn und Queens werden sogar Anstiege im zweistelligen Prozentbereich verzeichnet. Für eine 1-Zimmer-Wohnung legt man in New York City bereits $ 4.000 bis $ 5.200 pro Monat auf den Tisch.

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Ganz so teuer ist Berlin zwar noch nicht. Doch Spree-Athen hat mit einer ähnlichen Wohnungsnot und dementsprechend mit konstant steigenden Mieten zu kämpfen. Wer in der deutschen Hauptstadt nach einer Wohnung sucht, muss heutzutage mit Preisen rechnen, die das Doppelte des Mietspiegelwertes betragen. Zuletzt sind die Angebotsmieten (Bestand) im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 % gestiegen. Die Wohnsituation ist daher ein Dauerthema in Berlin und war folgerichtig auch das wichtigste Thema im Abgeordnetenhauswahlkampf.

Mamdani adressierte die Probleme der Bevölkerung

Während in Berlin regelmäßig über die Mietpreisbremse und Enteignungen von privaten Immobilienunternehmen debattiert wird, ließen sich im vergangenen Bürgermeisterwahlkampf die New Yorker von einem Mietenstopp für eine Million mietpreisgebundener Wohnungen überzeugen. Vorgetragen hatte diesen Vorschlag Zohran Mamdani, der als Mitglied der Democratic Socialists of America für die Demokratische Partei kandidierte, und die Wahl mit einer knappen absoluten Mehrheit für sich entschied.

Neben der Bekämpfung steigender Mieten sprach Mamdani das für New Yorker drängendste Problem steigender Lebenshaltungskosten am glaubwürdigsten an. In einem modernen, frischen Wahlkampf, in dem sich Mamdani bürgernah zeigte und Social Media bestmöglich einsetzte, versprach der bekennende Sozialist des Weiteren einen kostenfreien Busverkehr sowie eine universelle Kinderbetreuung für alle Kinder zwischen sechs Wochen und fünf Jahren. Finanziert werden soll dies unter anderem durch eine Erhöhung des kommunalen Spitzen- und Unternehmenssteuersatzes.

Der seit Anfang 2026 amtierende Bürgermeister von New York City machte im Wahlkampf Vorschläge, die bei der Berliner Linken auf große Zustimmung stießen. Im Vorfeld des Wahlkampfs zum Abgeordnetenhaus bat Die Linke deshalb das Team Mamdani um Ratschlag, auch hinsichtlich ihrer Wahlkampfkommunikation. Der Mangel an genügend bezahlbarem Wohnraum rückte daraufhin noch stärker in den Fokus ihres Wahlkampfs – in dem Wissen, dass laut einer Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für 53 % der Berliner der Wohnungsmarkt und die Mieten in der Hauptstadt das mit Abstand wichtigste Wahlkampfthema darstellten.

Linke Spitzenkandidaten weisen Parallelen auf

Die Parallelen hinsichtlich der Ausgangssituationen zur New Yorker Bürgermeisterwahl und der Berliner Abgeordnetenhauswahl waren unverkennbar. Einerseits war da das oben beschriebene drängendste Wahlkampfthema der steigenden Lebenshaltungskosten. Andererseits waren da Kandidaten beziehungsweise Wahlsieger aus dem linken politischen Spektrum für das höchste politische Amt beider Städte, die eine Einwanderergeschichte aufweisen.

Der in Uganda geborene Mamdani wanderte im Jahr 1999 mit seiner indischstämmigen Familie in die USA aus. Erst seit dem Jahr 2018 besitzt er neben der ugandischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Die Eltern der Linken-Spitzenkandidatin und Wahlgewinnerin Elif Eralp flohen wiederum nach einem Militärputsch aus der Türkei nach Deutschland, wobei ihre Mutter zu diesem Zeitpunkt im achten Monat schwanger mit ihr war.

Wenn die politische Mitte nicht liefert, profitieren die politischen Ränder

Eine weitere Parallele zwischen den Wahlkämpfen in New York City und Berlin war die Unbeliebtheit der Amtsinhaber. Eric Adams verzeichnete die niedrigste Zustimmung zur Arbeit eines New Yorker Bürgermeisters seit Beginn der Umfrageaufzeichnungen. In seinem letzten Jahr als Bürgermeister pendelte Adams‘ Zustimmung zwischen 20 % und 27 %. Werte, mit denen sich der ausgehende Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gut auskennt. Laut einer Erhebung von Infratest dimap waren im Juli 2026, und damit kurz vor seinem Rücktritt von der Spitzenkandidatur, nur 18 % der Berliner mit der Arbeit des Christdemokraten zufrieden. Von den 16 Regierungschefs der Bundesländer war Wegner sogar der Unbeliebteste. Der auf Wegner folgende christdemokratische Spitzenkandidat Stefan Evers ging somit mit einem Malus in den Wahlkampf, zumal er als Finanz- und Kultursenator einem ohnehin unbeliebten Senat angehörte.

Die Unbeliebtheit der Amtsinhaber geht einher mit einem Vertrauensverlust in die Fähigkeit der Parteien beziehungsweise Politiker der politischen Mitte (in Deutschland werden darunter die CDU/CSU, SPD, FDP sowie bedingt Bündnis 90/Die Grünen und in den USA moderate Politiker der Demokraten und Republikaner verstanden), Herausforderungen zu lösen. Eine abnehmende Stammwählerschaft bei einer gleichzeitig kontinuierlich ansteigenden losen Parteienbindung hat infolgedessen in den vergangenen Jahren zu einem Erosionsprozess der Volksparteien in Deutschland und der moderaten Kräfte in den USA beigetragen. Insbesondere junge Wähler lassen sich nicht mehr so stark an eine Partei binden, wie dies noch in den Jahrzehnten zuvor der Fall war.

Konklusion

Moderate Parteien und Politiker konnten in den vergangenen Jahren in den Metropolen New York City und Berlin die drängendsten Probleme der Bevölkerung nicht lösen. Infolgedessen gingen radikale Linke, die insbesondere von der jüngeren Bevölkerung unterstützt wurden, als Sieger aus den jüngsten Wahlen hervor. Während Mamdani seit Beginn des Jahres als Bürgermeister von New York City amtiert, ist Eralp noch nicht an ihrem Ziel, Regierende Bürgermeisterin von Berlin zu werden, angelangt. Während die New Yorker nämlich ihren Bürgermeister direkt wählen konnten, wurde in Berlin zunächst einmal die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses gewählt.

Um regieren zu können, ist Die Linke auf eine Koalition mit SPD und Bündnis 90/Die Grünen angewiesen. Doch die anstehenden Gespräche zwischen den Parteien könnten sich noch als herausfordernder als gedacht herausstellen, muss sich Die Linke doch zunächst mit dem in ihren Reihen grassierenden Antisemitismus auseinandersetzen. Als direkt gewählter Bürgermeister hatte es Mamdani zweifelsohne einfacher als seine Gesinnungsgenossen in Berlin, mit einer politischen Identität in ein Rathaus einzuziehen, die eine Opposition zu jeglichem Zionismus darstellt und in Israel ein „siedlerisch-koloniales Projekt“ sieht.

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Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.